Über 90 Jahre Experimentalfunk in Wismar

Dr.-Ing. Kurt Heinrich

Kurt Heinrich   / Dr.-Ing. , städtischer Baurat und Dozent

Leiter der Abteilung Elektrotechnik und des "Elektrotechnischen Instituts" sowie Laborleiter des ET-Labors im Laboratorium am Baumweg der Ingenieur-Akademie Wismar von 1922-1935

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* am 7. Januar 1893 in Kirchberg/Sachsen;  † unbekannt

Familie:

Vater: Friedrich Paul Heinrich (Eisenbahnoberingenieur), Mutter: Hulda Marie geb. Oppe

  • Ehefrau Ingrid (geb. Sturm), Tochter Ursula, geb. 22.06.1923

Schulabschluss: Matura im Regionalgymnasium Freiberg/Sa.

Ausbildung:

21.9.1914 – 24.4.1915 In Technischer Abteilung des örtlichen Gemeindeverbands-Elektrizitätswerkes /Lichtenberg/Erzgebirge zu Überlandstromverband Freiberg gehörig

7.8. – 25.9.1916 als cand. electr. Marktredwitz Konstruktionsbüro/ Abtlg. Dampfmaschinen

Studium:

Technische Hochschule Dresden/  Diplomvorprüfung 27.04.1916 an der Mechanischen Abteilung für Maschinen- und Elektro-Ingenieure

Studienbegleitend in AEG Bayreuth 25.9.1916 – 21.10.1916

Diplomprüfung 10.11.1917/ Technische Hochschule Dresden 

 Kriegstätigkeiten: 1916/17 Ingenieur bei der Starkstromabteilung II, Westen eingezogen, später Berufung als Hilfsreferent zum Kriegsamt Berlin, Sektion El. ab Februar 1918 in die Kriegsindustrie.

Beruflicher Werdegang:

15.2.1918-31.12.1921 Prüffeldingenieur in der  Pöge  Elektricitäts-AG , Chemnitz, Zwickauer Str. 88

(1874 als Chemnitzer Telegraphenbauanstalt Hermann Pöge erster elektrotechnischer Betrieb Sachsens, ab  1897 Elektricitäts-Aktiengesellschaft vormals Hermann Pöge, ab 1919 Pöge Elektricitäts-Aktiengesellschaft)

  • H. ab 1918 in neu errichteter Abteilung zur Herstellung von Kleinstmaschinen tätig und mit dem Bau und der Leitung der Kleinbauprüf- und Versuchsfelder beauftragt.
  • Gleichzeitig Verbindungsingenieur mit Berliner Großfirmen für drahtlose Telegrafie, mit intensiver Auseinandersetzung mit der drahtlosen Telegrafie und Telefonie

um 1920 Gründung eines privaten „Elektrotechnisches Instituts“ im Nebenerwerb/ Sachverständiger

16.10.1919 – Ende 1921 Technikums Hainichen, Dozent im Nebenamt

  • Theorie und die Anwendung auf die Praxis für Motoren und Generatoren; elektrische Bahnen; drahtlose Telegrafie; Praktikum
  • Sieht Schwerpunkt in praxisnaher Ausbildung (Prüffeldtechnikern und Ingenieure)
  • Fertigt Druckschriften für die Lehre

(aus Zeugnis: „… gab spezielle Sonderkurse der Elektrotechnik  … ausgezeichneter Fachmann… äußerst tüchtige Lehrkraft… ausgezeichnete Methodik“) 

  • H. nutzt „seine“ Fa. Pöge als wichtigsten Partner für studentische Exkursionen und zur Absolventenvermittlung

Diese Dozententätigkeit in Hainichen endet durch Ortsveränderung mit neuer Haupttätigkeit.

1. Januar 1922 - Anstellung in Elektromaschinenfabrik Neumarkt Oberpfalz (als Oberingenieur und Vertreter der technischen Direktion mit Handelsvollmacht)

  • Doch sein „…alter Hang zum Lehrfach jedoch lässt mich in dieser Stellung nicht die richtige Befriedigung finden.“, was ihn veranlasst sich auf eine Anzeige in der ETZ[1] hin an der Ingenieur-Akademie Wismar zu bewerben.

Referenzen zum Zeitpunkt der Bewerbung 1922 in Wismar:

Pöge  Elektricitäts-AG, Chemnitz, Zwickauer Str. 88

  • Dipl.-Ing. Kögler, Direktor Chemnitz, Eschestr. 9

Technikum Hainichen, Sachsen 

  • Obering. Sasse, Direktor des Technikums Hainichen Sa.
  • Ing. Eichelberger, Oberlehrer am Technikum Hainichen, Sa

Polytechnikum Köthen, Anhalt

  • Prof. Dipl.-Ing Mahler

Firma Dr. Erich F. Huth GmbH, Ges. für Funkentelegrafie

  • Dr. E. Huth., Berlin, Wilhelmstr. 132
  • Dr. Ing. L. Kühn, Prokurist 

1. November 1922 - Anstellung als Dozent und Leiter der Abteilung Elektrotechnik und Laborleiter für das Elektrotechnische Labor der Ingenieur-Akademie Wismar.

  • Etablierung Heinrichs „Elektrotechnischen Instituts“ als erstes An-Institut der Abteilung ET im Laboratorium der der Akademie Wismar
  • Schwerpunkt „Grundzüge der Telegraphie und Telephonie“  und speziell zur Drahtlosen Kommunikation; zunächst mit Empfangsanlage 1922 aus seinem früheren privaten Institut
  • 1924 H. errichte eine der allerersten Experimentalfunk-Sendeanlagen Deutschlands(!) (mehr dazu)
  • Einsatz der Kurzwellenstation in Lehre, Forschung und Amateurfunk
  • Forschungen im Hochfrequenz-Bereich mit wiss. Veröffentlichungen in der ETZ
  • Promotion 1925 zum Dr.-Ing. an der Technischen Hochschule Dresden
  • Unterhält weiterhin enge Verbindungen nach Sachsen
  • enge Zusammenarbeit mit derStaatlichen Akademie für Technik Chemnitz“,  Prof.Bangert    siehe Sächsische Biografie(n): http://saebi.isgv.de/biografie/Carl_Bangert_(1883-1952)
  • studentischer praktischer Funkbetrieb Wismar-Chemnitz wird vereinbart
  • in den Sommerferien arbeitet H. mit Prof. Bangert in Chemnitz zusammen; u.a. zu Themen der Wirkungen von Hochfrequenz auf den Menschen/ Elektromedizin (in einer Einschätzung von Heinrich ist die Rede von „Strahlenforschung“)
  • H. bringt in Wismar seine Erfahrungen aus Hainichen ein:
    • sieht in einer stark praxisorientierten Ausbildung die Chance der Akademie
    • Absolventen zum Einsatz in industriellen Prüffeldern
  • H. pflegt frühere Industriekontakte in Chemnitz und Berlin:
    • Fa. Pöge Chemnitz
    • Berliner Unternehmen AEG/Kabelwerk Oberspree, Sie­mens-Schuckertwerke GmbH (SSW), Siemens & Halske, Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegrafie m.b.H.21, Osram GmbH.
    • Organisiert jährliche Exkursionen in die Prüffelder für Studenten und Dozenten
    • Erfolgreiche Absolventenvermittlung (Wismarer Bewerbungen werden bevorzugt)
    • Im Gegenzug durch die Industrie materielle Unterstützung bei Bauteilen und Geräten
  • Als einziger ET-Dozent der Akademie veröffentlicht H. wissenschaftliche Ergebnisse in der ETZ und bringt 1930 ein Fachbuch „Die theoretischen Grundlagen der Wechselstrommaschinen" heraus. http://www.dl2swr.afu-wismar.de/veroeffentlichungen-heinrich.html
  • H. war Mitglied der Freimaurer im 3. Grad in der Wismarer Loge „Athansia zu den 3 Löwen“. Sie war der konfessionsgebundene Teil zur Wismarer Loge  „Zur Vaterlandsliebe“. Beide wurden 1935 in Wismar von den Nazis verboten. Diese Zugehörigkeit führte zur Einschätzung des Wismarer Nazi-Bürgermeisters bei der NSDAP-Kreisleitung, H. sei „… für die Partei nicht geeignet“.
  • Im ersten Halbjahr 1930 wird H. als stellvertretender Direktor kommissarisch eingesetzt
  • Neid und Zwietracht führten zu einer fristlosen Entlassung am 25. September 1931, gegen die H. juristisch vorgeht.U.a. wegen sog. „Bettelbriefe“ z.B.  http://www.dl2swr.afu-wismar.de/media/files/OE_Bettelbrief_Osram.pdf
  • Folge: mehrjährige Prozesse über alle Instanzen bis 1935; letztlich ein Vergleich und eine befristete Wiedereinstellung. (mehr dazu)
  • Heinrichs Vertrag läuft zum 31. März 1935 aus.

Verdienste für Wismar und darüber hinaus

Es ist Heinrichs Verdienst, dass die Abteilung Elektrotechnik (wie auch die des Maschinenbaus) jahrelang die absolventenstärksten Abteilungen der Akademie. Das Laboratorium mit dem Elektrotechnischen Labor und dem Elektrotechnischen Institut verdankt seinem Engagement die moderne Ausstattung. Wobei vieles mit Unterstützung der Industriepartner selbst erbaut wurde. Hier wurde H. immer wieder ein „…besonderes handwerkliches Geschick“ bescheinigt.

H. hat mit seinen anderen ET-Dozenten sehr großen Wert auf eine solide laboratoriumstechnische Ausbildung gelegt und hierfür Maßstäbe gesetzt, deren Ansprüche in der ETZ formulierte. http://www.dl2swr.afu-wismar.de/media/files/artikel_dr_ing_kurt_heinrich_1927_2.pdf

Sein Beitrag „Über die laboratoriumstechnische Ausbildung von Elektroingenieuren an höheren Technischen Lehranstalten“ im Mai 1927 fand an den Hochschulen große Beachtung, aber nicht generellen Beifall, da es auch um die Qualitätsanforderungen an die Dozenten ging. Seine Abhandlung traf aber voll den Nerv der Industrie!

Wismarer Absolventen versprachen durch Heinrichs Prägung über viele Jahre eine solide Ausbildungsqualität, was dazu führte, dass in einigen Berliner Unternehmen die Personalabteilungen angewiesen wurden, Wismarer Bewerbungen bevorzugt zu behandeln.

[1] ETZ - Elektrotechnische Zeitschrift, Organ des Verbandes Deutscher Elektrotechniker (VDE)

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WANTED! Gesucht werden weitere Informationen zu "unserem" Kurt Heinrich. Insbesondere zu evtl. Nachfahren, wie die am 22.06.1923 (in Wismar?) geborene Tochter Ursula. Weiterhin liegen keinerlei Fotos zu Heinrich und/oder Familie vor! Für Hinweise jeglicher Art wäre ich sehr dankbar!