Über 90 Jahre Experimentalfunk in Wismar

Elektrotechnisches Laborieren seit 1910

Das Labor der Elektrotechnik (ET) 1910 als Abschluss des ersten Bauabschnitts des Laboratoriums am Baumweg.

Quellenangabe zur Fotocollage// links: Archiv Hansestadt Wismar, Crull-Sammlung 0570 und rechts: Freisteller aus historischer Ansichtskarte mit Laboratorium von 1910 / Privatsammlung Karsten Witting, Wismar

Am 3. Dezember 1910 wurde der Abteilung Elektrotechnik der zwei Jahre zuvor gegründeten privaten Ingenieur-Akademie das zuerst erstellte Labor des Laboratoriums am Baumweg zur Nutzung übergeben - dem ersten Hochschulneubau Wismars überhaupt. (mehr dazu im Jubiläumsartikel von 2019)

Damit löste die Stadt Wismar ein 1908 mit dem Architekten Robert Schmidt im Gründungsvertrag zur Ingenieur-Akademie fixiertes Versprechen ein. Es ist ein Ausdruck für den anerkannt hohen Stellenwert einer solchen Experimentierbasis. Der 156 qm große, stützenfreie Laborsaal beherbergte weitgehend variabel einsetzbare Versuchsplätze, zunächst vor allem zur elektrotechnischen Grundlagenausbildung, die auch die anderen Fachrichtungen in interdisziplinärer Zusammenarbeit betraf.

Das Jubiläum 2020

Mit der Eröffnung des Labors der Elektrotechnik am 3. Dezember 1910 kann die Hochschul-Elektrotechnik auf eine 110-jährige erfolgreiche, experimentell-wissenschaftliche Ingenieur-Ausbildung in Wismar verweisen. Die Akademie favorisierte von Anfang an eine akademische Arbeitsweise der Studenten, auch in Kleingruppen, bei großem eigenständigen Agieren. Der Erfolg lag und liegt in einer praxisnahen Ausbildung, die sich an den Erfordernissen der Zeit orientiert. Ein Kurs, der auch vom historischen Nachfolger der damaligen Abteilung ET, dem heutigen Bereich Elektrotechnik & Informatik der Hochschule Wismar, konsequent und erfolgreich beibehalten wird.  (hier die Jubiläumsvorankündigung der Hochschule von 2019)

Die ersten Versuchsstände und Laborübungen um 1910

Der Haupteigang zum "Laboratorium" lag vom Baumweg nicht einsehbar im Innenhof, der dem geplanten neuen Campus in Richtung Schweriner Starße zugewandt war. Der eigentliche ET-Laborzugang erfolgte durch ein Gebäude mit Hör- und Zeichensaal für je 30 Plätze, dem später so genannten Mittelbau des Laboratoriums. 

Nach einer zweiten Bauphase fand das Laboratorium der Akademie 1913 seinen Bauabschluss. Der nun zweite Laborflügel beherbergte das Maschinentechnische Labor. 1924 erfolgte ein erster Anbau für die Versuchsfunkstation des Elektrotechnischen Instituts.

Collage zum Laboratorium Baumweg am Ende der zwanziger Jahre

Zur Lage des Laborkomplexes Baumweg heute - ein Link zu Google Maps. Im nachfolgenden Bild rechts im Maps-Ausschnitt gelb gestrichelt die Ausdehnung des historischen Laboratoriums zur Eröffnung 1910; der rote Rahmen zeigt den Gesamtbereich des Laboratoriums 1913 nach Vollendung der zweiten Bauphase.

Ingenieur-Akademie Wismar 1908 und das Elektrotechnik-Labor am Baumweg 1910
Laborkomplex Baumweg

Historische Details des Laboratoriums am Baumweg heute

Die frühen Jahre...  (hier nur ein paar punktuelle Auszüge)

Die Experimentalfunkstelle im Laboratorium am Baumweg

Wismars erstes An-Institut...

...das Elektrotechnische Institut

Drahtantennen über dem Laboratorium
Stationsraum ca. 1928

Zu den allerersten Funksende(!)stationen Deutschlands gehörte die der Ingenieur-Akademie Wismar (1924). Im gleichen Jahr ließ Dr. Heinrich das ET-Labor extra dafür um einen kleinen Anbau erweitern. Über sein An-Institut (das wahrscheinlich allererste in Wismar!) wurde die Station betrieben und genutzt gleichermaßen für Lehre, Forschung und Amateurfunk.  (Die Drahtlose Telegrafie und Telephonie an der Akademie) mehr zur Drahtlosen Telegrafie in Wismar

Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen

Es gab in den zwanziger Jahren eine enge Zusammenarbeit mit den Technischen Staatslehranstalten in Chemnitz (ab 1900 Königliche Gewerbeakademie, nach 1929 Staatliche Akademie für Technik, heutige TU Chemnitz). Der damalige Wismarer Leiter der ET und Laborleiter  Dr.-Ing. Kurt Heinrich  arbeitete  eng mit dem Chemnitzer Prof. Bangert zusammen, der als Spezialist auf dem Gebiet der Fernmeldetechnik galt, der sich um die Entwicklung des Rundfunks verdient machte. Im Rahmen der Laborpraktika war zu HF-Ausbreitungsuntersuchungen u.a. Funkbetrieb zwischen Wismar und Cheminitz  praktiziert worden. (siehe Brief von Dr. Heinrich vom 14.09.1926) weitere Originaldokumente / Online-Ergänzungen

Qualitätsanforderungen an die laboratoriumstechnische Ausbildung

Erfahrungen aus jahrelanger industrieller Prüffeld- und nun Laborleitertätigkeit in einer Hochschuleinrichtung postulierte Dr.-Ing. Heinrich seine Anforderungen an die laboratoriumstechnische Ausbildung und veröffentlichte diese im Mai 1927 in der Fachpresse. Er bekam nicht nur Beifall dafür... (zum Artikelweitere Originaldokumente / Online-Ergänzungen

Berliner Industriepartner Wismars

Es lassen sich enge Kontakte zu Berliner Großbetrieben belegen. AEG/Kabelwerk Oberspree, Siemens-Schuckertwerke GmbH (SSW), Siemens & Halske, Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegrafie m.b.H. und die Osram GmbH – sie ermöglichten Studenten und/oder Dozenten Exkursionen betriebliche Exkursionen, unterstützen mit Material und Gerät... und waren letztlich Abnehmer Wismarer Absolventen. In den zwanziger Jahren pflegte Dr. Kurt Heinrich die Kontakte, die ab Anfang der dreißiger durch Dipl.-Ing. Stein fortgeführt wurden. (Bsp. Brief DI Stein vom 17.09.1933) weitere Originaldokumente / Online-Ergänzungen

 

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