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Privat bis reichsanerkannt - die Ingenieur-Akademie Wismar 1908 bis 1945

Ab 1900 wurden die mit kommunaler Unterstützung privat gegründeten Lehranstalten und insbesondere die sog. Ingenieur-Akademien wie die in Wismar als Konkurrenz zu den staatlichen Einrichtungen wahrgenommen; eine Entwicklung, die man schleunigst zu reglementieren gedachte. Es dauerte im Großherzogtum Mecklenburg-Strelitz  bis zum 3. Dezember 1910, wo ein Entwurf zur  Verordnung betreffend die Errichtung und den Betrieb von Fach- und Fortbildungsschulen nun auch im "Rat der Seestadt Wismar zu Wismar" für Unsicherheit und Unruhe sorgte.

  • Zeitnah am 12. Dezember 1910 reagierte darauf der Akademiegründer Robert Schmidt mit einer beachtenswerten brieflichen  Erklärung an die Ratsmitglieder . (PDF, 6,9 MB)

Gebäude der Ingenieur-Akademie

Erstes Hauptgebäude / Studiengebäude I

Das erste Gebäude der Akademie befand sich von 1908 bis 1935 in der Wismarer Neustadt. und wurde 1935-1945 als Studiengebäude I bezeichnet. Dafür hatte die Stadt die ehemalige Mädchenschule am Heilig-Geist-Hof der Heiligen-Geist-Kirche zur Verfügung gestellt. Neben Räumen für die Lehre war hier auch die Materialprüfanstalt als ein Laboratorium der Akademie untergebracht, seitens Akademie als "Materialprüfungs-Laboratorium" betitelt (ca. 1933).

Laboratorium am Baumweg

Am 3. Dezember 1910 wurde der  Abteilung Elektrotechnik  der zwei Jahre zuvor gegründeten privaten Ingenieur-Akademie das zuerst erstellte Labor eines Laboratoriums am Baumweg (Nr.3?) zur Nutzung übergeben - dem ersten Hochschulneubau Wismars überhaupt und dem ersten Gebäude eines damals geplanten neuen Akademie-Campus. (mehr dazu im Jubiläumsartikel von 2019) / online  Damit löste die Stadt Wismar ein 1908 mit dem Gründungsvertrag zur Ingenieur-Akademie verbundenes Versprechen ein. Der Gründer und Architekt Robert Schmidt hatte sich den Bau eines von ihm selbst entworfenen Laboratoriums zusichern lassen, was ein Ausdruck für den anerkannt hohen Stellenwert einer solchen Experimentierbasis war. Mit der ersten Ausbauphase beherbergte der 156 qm große, stützenfreie Laborsaal des ET-Labors weitgehend variabel einsetzbare Versuchsplätze, die zunächst vor allem zur elektrotechnischen Grundlagenausbildung den ET-Studenten, aber auch den der anderen Fachrichtungen in interdisziplinärer Zusammenarbeit zur Verfügung standen. Ganz voran die Abt. Maschinenbau, wie dieser Auszug aus Heinrichs Beurteilung von 1934 belegt.

 

 

Studiengebäude II

Nach dem Ersten Weltkrieg übergab die Stadt Wismar der Ingenieur-Akademie die St. Georgen-Schule in der Baustraße 55 (diese hieß 1946-1993 Rosa-Luxemburg-Str.) als weiteres Ausbildungsgebäude. Als Studiengebäude II mit Konstruktions-, Bibliotheks- und Leseräumen befand sich das Gebäude unterhalb des Turmes der Georgenkirche.

Studiengebäude II (gelber Punkt Ort der damaligen Fotoaufnahme)
Studiengebäude II an der Baustraße vor der Georgenkirche

Neues Hauptgebäude in der Ulmenstraße

5. Februar 1935: Der Rat stimmte dem Umbau des Zeughauses zu. Das "... in modernster Weise ausgebaute" ehemalige Zeughaus in der Ulmenstr. 15 wurde im gleichen Jahr als neues Hauptgebäude einschließlich des Bildungsamtes übergeben. Die "...weitläufigen Säle dieses Gebäudes dienen in den Semesterferien Ausstellungszwecken..." 

30. Juli 1935 Der Umbau des Zeughauses zur Ingenieur-Akademie ist abgeschlossen.

Im Wismarer Adressbuch von 1937 ist auch das Laboratorium am Baumweg/ Klußer Damm 1 zu finden.

Zeughaus Ulmenstr.
aus Adressbuch der Hansestadt Wismar 1937, Seite 212

Rund 25 Jahre wurde es genutzt, bevor es 1945 durch einen britischen Bombenangriff  am 14./15. April 1945 zerstört wurde. 5 Lufttorpedos auf die St. Georgen- und St. Marienkirche, die Alte Schule, das Archiediakonat, die Superintendentur und die Kapelle Maria zur Weiden verursachten große Schäden.

https://www.wismarer.de/ns-zeit.wismar.htm

 

Ehemaliges Offizierskasino wird Kameradschaftsheim

13. Februar 1903 Einweihung des Offizierkasino für das Wismarer Offizierskorps im ehemaligen Hause des Baumeisters Heinrich Thormann am Lindengarten, Altwismartor.

Später nutzt die Ingenieur-Akademie das Gebäude als Speisesaal bzw. das Studentenwerk als Kameradschaftsheim.

 

 

Kameradschaftsheim/Speisesaal der Akademie