Seit 1924 Experimentalfunk in Wismar

 

 

Funkverein Wismar e.V.

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Ein Sachse bringt den technischen Fortschritt

In Wismar stammte der erste Radio-Bastler aus Sachsen. Es war Kurt Heinrich, der sich 1922 (da noch als Dipl.-Ing.) an der Wismarer Ingenieur-Akademie bewarb. In dieser fand er Anstellung als Leiter des Laboratoriums und Leiter der Abteilung Elektrotechnik; später war er auch zeitweise Akademiedirektor. Heinrich siedelte im Laboratorium der Akademie am Klusser Damm das erste An-Institut an - sein Elektrotechnisches Institut. Die Ausrüstung brachte er aus seinem bisherigen privaten Labor in Sachsen ein. Anfangs nur mit Empfangsapparaturen; ab Mai 1924 auch eine Versuchs-Funksendestation (ausführlich und bebildert in den Wismarer Beiträgen Heft 24-26).

Laboratorium der Ingenieur-Akademie

Heinrichs Elektrotechnisches Institut im Akademie-Laboratorium



 

 

Die Funkstation der Akademie und des Vereins

Im Mai 1924 wurde im Laboratorium der Ingenieur-Akademie mit dem Funksendebetrieb begonnen (Empfang seit 1922). Das erste Rufzeichen war "Q1"(damals noch Anrufzeichen genannt). Spätere Rufzeichen auch EK4ABK und D4DT.

 

 

NEU! Wichtiger Hinweis

Das Foto in nebenstehender Collage (mit Link) rechts ist im Nov. 2022 als Fälschung entlarvt worden!

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1923 Gründung eines Funkvereins in Wismar

Die Deutsche Reichspost D.R.P. tat sich schwer, ihre Monopolstellung bei der Nachrichtenübermittlung aufzugeben. Selbst der Erwerb von Empfangsgenehmigungen war mit großen Hürden verbunden und nur über Vereinsmitgliedschaften zu erlangen. Und Sendegenehmigungen konnten, wenn überhaupt, nur an Fachleute, Institutionen oder Vereinen beantragen. Um die Funktechnik weiter zu popularisieren (in Wismar bot Dr.-Ing. Kurt Heinrich diese Themen auch in einem Abendkurs für Arbeiter an), gründete Heinrich Ende 1923 einen Funkverein in Wismar.

Funkverein Wismar e.V. - zur Satzung

 

 

100 Jahre Funkverein Wismar - Jubiläumsvorbereitungen

Die Geschichte, wie Heinrich mit seinem Verein in Wismar und auch deutschlandweit die vielen anderen Funk- und Radiovereine diese Aufgabe meisterten und 1924/25 aus interessierten Bürgern legale Radiohörer qualifizierten, wird im nächsten Jahr zum Gründungsjubiläum des Funkvereins Wismar e.V. vor 100 Jahren ihre Fortsetzung finden.

Doch bis dahin sollten möglichst noch ein paar Lücken in der Historie geschlossen werden. Dazu veröffentlichte die lokale Sonntagszeitung diesen kleinen Aufruf... Mit Erfolg!    mehr...

 

Eine Leserzuschrift führte zu Erinnerungen an Ewald Neunaß und auch zum Funkverein Wismar.

 

 

1. Preis Pokal zur Wismarer Funkausstellung 1929

Prämierter Radioschrank von 1929 / 2022 noch in Nutzung, heute leider ohne Radio-Innenleben
Foto: Familien-Archiv Neunaß 

So konnte ein gekaufter aussehen

Quelle: https://www.welt-der-alten-radios.de/r--z-tonmoebel-49.html

 

 

Weiterhin Informationen zu Vorstandsmitgliedern gesucht!

Vorstandmitglieder des Funkvereins Wismar in den Jahren 1925-1929

Zusatzinformationen


 

 

Auch Fachzeitschriften geben Vereinen Themen vor

Selbst in den großen Fachzeitschriften wie die ETZ (Elektrotechnische Zeitschrift) werden Themen zu Radioschaltungen und Schutzmaßnahmen diskutiert. Hier ein Beitrag zur Gefahr, die von der Radiogerätenutzung am Gleichstromnetz ausgeht.

Hochantennen als Blitzschutz beworben

Der Funktechnische Verein (F.V.T.) Berlin kämpfte 1925 gemeinsam mit dem V.D.E. (Verein Deutscher Elektrotechniker) gegen die verschärften Bauauflagen, die den Aufbau von Hochantennen in den Städten stark einschränken sollten. Um mehr Akzeptanz für die "Außenluftleiter" zu erlangen, warb man so auch mit dem sich bei sachgemäßer Installation ergebenen besseren Blitzschutz des Hauses. (aus "Funkbastler" von 1925/1926)

        

 

 

Deutschland beginnt Unterhaltungs-Rundfunkdienst im Oktober 1923

So begann die erste Sendung eines nun regelmäßigen Unterhaltungs-Rundfunkdienstes in Deutschland. Einen Funkdienst, dessen Benutzung genehmigungspflichtig war und „…dessen Aufgabe es ist, Vorträge künstlerischen und unterhaltenden Inhalts, Musikvorführungen und dgl. auf drahtlos telephonischem Wege zu verbreiten.“

Es existierten bereits elf Rundfunk-Dienste, bevor im Oktober 1923 mit dem Dienst des Unterhaltungsrundfunk begonnen wird. So z.B. die Dienste des Wirtschaftsrundfunks, Börsenrundfunks u.a.

Das verstärkte das Dilemma. Die mittlerweile 15.000 Bastler in lokalen Radio- und Funkvereinen drängten zu einer Lösung. Um mit einer Stimme in die Gespräche mit der Reichspost zu gehen, gründete man am 24. Januar 1924 das  Deutsche Funk-Kartell. 30 große Radio- und Funkvereinigungen mit  über 100 lokalen Gruppierungen wie auch der Funkverein Wismar e.V. unter Kurt Heinrich gehörten 1924 zu den Gründungsmitgliedern.  mehr zum Funk-Kartell

 

 

Wismars Funkverein im Deutschen Funk-Kartell

 

 

Berlin zu weit weg

Zwar nicht mit einem Detektorapparat, aber mit einem relativ einfachen Audion-Empfänger konnte der Sender Hamburg gehört werden. Berlin nur in den Abendstunden.

 

 

Die Norag in Hamburg

Der Rundfunk in Deutschland sollte bewusst dezentral aufgebaut werden. Die technisch-organisatorische Verbreitung vom Unterhaltungs-Rundfunk oblag in jenen Jahren der Deutschen Reichspost, was die staatliche Kontrolle sicherte. Die programmlich-wirtschaftliche Zuständigkeit lag bei einer Sendegesellschaft, so dass auch private Geldgeber sich daran beteiligen konnten.

Am 2. Mai 1924, als die nun bereits fünfte Rundfunkanstalt im Deutschen Reich, ging die Norag in Hamburg auf Sendung. Hans Bodenstedt, der künstlerische Leiter des Hamburger Senders spricht „… das erste Mal … zu unseren 896 zahlenden und zu den ungezählten Schwarzhörern , die ungeduldig darauf warten, ihren Obolus  zahlen zu können.“

 

Tägliches "Norag"-Programm in Wismars Zeitung (15.02.1928)

Mecklenburgische Funk- und Elektroausstellung in Wismar 1928

 

 

Einladung per Zeitungs-Annonce

Dr.-Ing. Kurt Heinrich organisierte mit seinem Funkverein im Hotel "Stadt Hamburg" vom 18. bis 20. Februar 1928 eine Funk- und Elektroausstellung. Wismars Radiohändler werben in Zeitungsanzeigen mit freiem Eintritt.

  

 

 

zu Funkausstellung 1928(!)

der transkribierte Text


Die Radiotechnik und -technologien in den Anfangsjahren

 

 

Frühe Radiotechnik - anschaulich erklärt! Von Günter Abele
Quelle: Youtube / youtube.com/watch?v=EnFvJE3sVZg
Wismars Radiohändler

 

 

Empfängertechnik zwanziger/dreißiger Jahre

Deutschland's Hauptakteure: - AEG, Telefunken, Siemens und Lorenz

"Die Bedeutung der deutschen Elektrotechnik in den 1930er Jahren"

"Radiosender Wismar" auf Kurzwelle

Die Versuchsfunkstation im Laboratorium am Baumweg dürfte als erster (und bislang einziger) Rundfunksender in Wismar gelten. Es ist überliefert, dass für Telefonieversuche der Sender häufig mit dem laufenden Programm das Hamburger Rundfunks aufmoduliert wurde. Was natürlich illegal war. Jedoch die Zahl der tatsächlich zuhörenden Rundfunkhörer in Wismar war wohl überschaubar, unter anderem, weil die Ausstrahlungen auf Kurzwelle erfolgten.

Technologie dieser frühen Funkverbindungen

Betriebsart - nur in Morsetelegrafie. Aber wie fanden zwei "Gesprächspartner" zusammen? Verabreden auf einer bestimmten Frequenz? Fehlanzeige, das war viel zu ungenau. Aber es gab aber auch viele weitere Probleme zu lösen...

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Vor 1923 mit Huth, Seibt und Telef. auf Empfang

Aus seinem Privatbestand stellte Heinrich der Ingenieur-Akademie, namentlich seinem An-Institut dem Elektrotechnischen Institut an der Abteilung Elektrotechnik, am 16. Mai 1923 auch drei Detektorempfänger zur Verfügung:

je einen der Firmen Huth, Telefunken und Seibt.

 

 

Radio-Ingenieure auch aus Wismar

Klingt etwas übertrieben, war es aber nicht. Nachweislich "lieferte" Dr.-Ing. Heinrich Jahr für Jahr in Berliner Großbetrieben Wismarer Absolventen als Prüffeldingenieure ab, die auch bei Radioherstellern arbeiteten. Zur Schwachstrom-Übung DETEKTOR im Labor gehörte auch die Konstruktion für einen Kristalldetektor dazu. Dieser Kristalldetektor war schließlich eine variierbare Hochfrequenz-Diode, die nicht nur zum "...Großstadtempfang, sondern für vielfache sonstige Erfordernisse"/* zum Einsatz kam. (/* Der Radio-Amateur / Radio-Telephonie von Dr. Eugen Nesper 1923/25, Vorwort Seite X)

Konstruktionszeichnung zum Detektor in Wismar

 

 

Zur Bedeutung des Funks/Rundfunks

Die legendäre Rede von Albert Einstein zur Eröffnung der Funkausstellung 1930 in Berlin fasst die Bedeutung der Entwicklung des Funks/Rundfunks treffend zusammen - die technische wie die politische:

"Verehrte An- und Abwesende!

Wenn Ihr den Rundfunk höret, so denkt auch daran, wie die Menschen in den Besitz dieses wunderbaren Werkzeuges der Mitteilung gekommen sind. Der Urquell aller technischen Errungenschaften ist die göttliche Neugier und der Spieltrieb des bastelnden und grübelnden Forschers und nicht minder die konstruktive Phantasie des technischen Erfinders.

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Denkt an Oersted, der zuerst die magnetische Wirkung elektrischer Ströme bemerkte, an Reis, der diese Wirkung zuerst benutzte, um auf elektromagnetischem Wege Schall zu erzeugen, an Bell, der unter Benutzung empfindlicher Kontakte mit seinem Mikrophon zuerst Schallschwingungen in variable elektrische Ströme verwandelte. Denkt auch an Maxwell, der die Existenz elektrischer Wellen auf mathematischem Wege aufzeigte, an Hertz, der sie zuerst mit Hilfe des Funkens erzeugte und nachwies. Gedenket besonders auch Liebens, der in der elektrischen Ventilröhre ein unvergleichliches Spürorgan für elektrische Schwingungen erdachte, das sich zugleich als ideal einfaches Instrument zur Erzeugung elektrischer Schwingungen herausstellte. Gedenket dankbar des Heeres namenloser Techniker, welche die Instrumente des Radio-Verkehres so vereinfachten und der Massenfabrikation anpassten, dass sie jedermann zugänglich geworden sind.

Sollen sich auch alle schämen, die gedankenlos sich der Wunder der Wissenschaft und Technik bedienen und nicht mehr davon geistig erfasst haben, als die Kuh von der Botanik der Pflanzen, die sie mit Wohlbehagen frisst.

Denket auch daran, dass die Techniker es sind, die erst wahre Demokratie möglich machen. Denn sie erleichtern nicht nur des Menschen Tagewerk, sondern machen auch die Werke der feinsten Denker und Künstler, deren Genuss noch vor kurzem ein Privileg bevorzugter Klassen war, der Gesamtheit zugänglich und erwecken so die Völker aus schläfriger Stumpfheit.

Was speziell den Rundfunk anlangt, so hat er eine einzigartige Funktion zu erfüllen im Sinne der Völkerversöhnung. Bis auf unsere Tage lernten die Völker einander fast ausschließlich durch den verzerrenden Spiegel der eigenen Tagespresse kennen. Der Rundfunk zeigt sie einander in lebendigster Form und in der Hauptsache von der liebenswürdigen Seite. Er wird so dazu beitragen, das Gefühl gegenseitiger Fremdheit auszutilgen, das so leicht in Misstrauen und Feindseligkeit umschlägt.

Betrachtet in dieser Gesinnung die Ergebnisse des Schaffens, welche diese Ausstellung den staunenden Sinnen des Besuchers darbietet."

Weniger…

Albert Einstein zur Funkausstellung 1930


 

 

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