Über 90 Jahre Experimentalfunk in Wismar

 

 

Über 50 Jahre Sendelizenz !

- mein erstes QSO war am 23. Oktober 1967 -

(1965 SWL: DM-2858/D) ex DM3XVD (1967-1978), DM5CA, Y57ZA, Y25DA, DL2SWR

Es begann wie bei vielen anderen om meiner Generation (für mich 1964 mit 11 Jahren) in der DDR mit dem Buch "Mit Spulen, Draht und Morsetaste" (1953) von Martin Selber (Martin Merbt). Im Folgejahr gelang dann der Kauf (4 MDN/ Mark der Deutschen Notenbank) des für mich eigentlichen Klassikers seiner Trilogie: "Mit Logbuch, Call und Funkstation". In diesem Teil wird gleich auf den ersten Zeilen von einem  Film "Wenn alle Menschen der Welt"  erzählt, dessen kurze Beschreibung allein schon bei mir eine ungeheure Faszination für dieses Hobby ausgelöst hat. Den Film selbst "TKX antwortet nicht" habe ich erst nach der Wende sehen können... Ein berührender empfehlenswerter Film, der mit dem in meinen Augen treffenderen Titel "Wenn alle Menschen der Welt" in vielfacher Hinsicht an Aktualität nichts verloren hat und das völkerverbindende Anliegen des Amateurfunks so grandios vermittelt! Wie im Film beweist der Amateurfunk seit Jahrzehnten immer wieder seine Berechtigung auch in weltweiten Notfunkeinsätzen...

Im Dezember 1967 dann das für mich ganz besondere QSO - das mit dem Schriftsteller Martin Merbt persönlich! 

   

   

Diese aus heutiger Sicht eher schlichte Rahmengeschichte in "Logbuch, Call und Funkstation" beinhaltete für uns Kinder damals trotzdem so viel Faszination und machte Lust auf das Abenteuer KURZWELLE und auf alles, was der "ferne" Äther für einen bereithielt. Der HF-Bazillus war unwiderruflich geschluckt und ein Volksempfänger VE301 bald auf Steckspulen umgebaut; abgeguckt von einem sehr engagierten SWL (om Fritz Korn DM-2???/D) in meiner Nachbarschaft. Er zeigte mir auch, wie man mit einem Kohlemikrofon in der Antennenzuleitung und gezogener Rückkopplung senden konnte... Dieser VE301 war dann mein "super" SWL-RX für viele Jahre!

 

selbst erstellte SWL-Karten 1965-1967 zu Schülerzeiten (fotografisch bzw. Siebdruck)

-----

Das zweite Buch der Trilogie "Mit Radio, Röhren und Lautsprecher" (1956) hatte ich 1964 mir lediglich mal aus der Bibliothek kurz ausleihen können. Basteltechnisch eigentlich das wertvollste von den dreien! Mir war lange nicht klar, warum gerade dieser Teil so schlecht verfügbar war und Neuauflagen 1960 endeten. Vielleicht lag es an diesen Zeilen aus dem Vorwort:

-----

Verstärkung erfuhr mein HF-Bazillus dann besonders durch meinen Klubstationsleiter Klaus Adam DM3VD/DM2BVD aus dem Nachbarort Wildau und om Werner Szameit DM2AEE und DM3KFE (1957) Altenhof über Eberswalde, dann DM2AUD/DM4BD aus meinem damaligen Heimatort Zeuthen/Neue Mühle "Station Junger Techniker und Naturforscher", die mir jungem Spund solides Handwerkszeug im Technisch-Handwerklichen und im "Funken" vermittelten. Sie waren für mich wichtige Mentoren - weit über den Amateurfunk hinaus. Leider sind beide om seit Jahren Silent Key.

   

Ihr Verdienst war es, dass ich als 14-jähriger 1967 erfolgreich die Lizenzprüfung absolvieren konnte. Als jüngster Funksendeamateur zu dieser Zeit (zumindest im Bezirk Potsdam) erhielt ich mein erstes Rufzeichen - DM3XVD. Hier meine erste QSL - die Klubstationskarte von DM3VD - mit Foto vom chief-op Klaus Adam. Jeder Mitbenutzer ergänzte diese dann um seinen persönlichen Mitbenutzer-Kennbuchstaben/ bei mir das "X". - Das erste QSO, im offiziell anzumeldenden Testbetrieb, war am 23. Oktober 1967 mit DM4UHD... // In der Vorbereitung(!) zur Lizenzprüfung im September 1967 in Potsdam, baute ich vierzehnjähriger Schüler in den Sommerferien die sog. Klasse2-Station für den Klub, die uns op's der neu eingeführten Einstiegslizenz-Klasse 2. (bis dato existierte bei DM3VD ein Eigenbausender A1/A3 mit 100 Watt von 80/40/20m; gebaut vom Klubstationsleiter Klaus Adam DM3VD/DM2BVD.) Klaus Adam übergab mir anfangs dieser Ferien eine alte Panzerfunkstation Typ 10RT im Original (ähnlich wie auf dem Foto: mit Gleichstrom(Einanker)-Umformern für die Anodenspannungen, Steckquarzen und Panzerhaube) und los ging's...

(mehr zur 10RT auch hier auf der zweiten Seite zur  Klubstation DM4TA )

Quasi auf dem Küchentisch und mit Bauteilen aus dem Schrott sowie zur Blechbearbeitung mit Hand(kurbel)bohrmaschine, Eisensäge und Feile. Stabilisiertes Netzteil mit ST280/80, Sende-/Empfangsumschaltung, Umbau auf Pi-Filter im Ant.-Ausgang, VFO-Bandspreizung etc. Im damaligen Kreis Königs Wusterhausen (KK D17) entstanden so fast zeitgleich drei solcher Umbauten, um den Klasse 2-Betrieb zu ermöglichen: bei DM4HD, DM4VD und eben DM3VD. Pünktlich zum Beginn des damals üblichen, offiziellen Testbetriebs der Station (in Vorbereitung der Stationsabnahme durch RADIOCON/ Funkkontrolle) erfolgte am 23. Oktober 1967 aus meinem Bastelzimmer in Zeuthen (!) weit weg von der Klubstation... mein erstes QSO mit meinen damaligen Freund "Ebs" DM4UHD /"Ebs"=Eberhard in Königs Wusterhausen, meinem Geburtsort und der "Wiege des Rundfunks" in Deutschland !  (Ebs / Eberhard Uecker - wo bist Du abgeblieben???)

Mit 15 Jahren dann die Prüfung zur "großen" Lizenz! Auch wenn ich es auf 80m ausschließlich mit dieser 10 RT und 41m lw auf 45 (bestätigte) DXCC geschafft hatte, lag für mich der Reiz in den eigentlichen DX-Bändern. Da ich über kaum Bauteile verfügte und die Schwierigkeit im frequenzstabilen VFO bestand, war für mich gerade noch das 20m-Band beherrschbar. So entstand wieder auf dem Zeuthener Küchentisch ein einfacher CW-Sender für 20 Meter mit 8 Watt Input / mit transitorisiertem sog. Super-VFO (Quarz von 12 MHz/ ich hatte nur den einen... + demzufolge VFO von 2...2,5 MHz) und einer LV3 in der PA! Dass die Post mir diesen Drahtverhau abgenommen hat (wenn auch erst im zweiten Anlauf), wundert mich noch heute...  Denn immerhin musste auch dieser Sender wie alle anderen zu dieser Zeit eine echte technische Abnahme mit HF-Vor-Ort-Messungen(!) bestehen!

Ein paar Monate später stand dann der erste Japaner (JA8AA) im Log, der (selbst mit 1000((!)) Watt und Richtantenne arbeitend) mir zum Erfolg mit meinen 8 Watt bei einfacher Langdraht gratulierte. (QSL von JA8AA; sie belegt seine Verwendung von 1 kW und 3-Elemente-Beam)