Über 90 Jahre Experimentalfunk in Wismar

Das Flettner-Rotor Modell im Laboratorium Baumweg

Funktionsmodelle von Flettner-Rotoren (zur Geschichte, auch in MV) gehörten in den zwanziger Jahren zum Standard im Praktikum angehender Ingenieure. So auch im Wismarer Laboratorium.

Der Frankfurter Ingenieur und Erfinder Anton Flettner entwickelte einen vorwärtstreibenden Rotor unter Ausnutzung des Magnus-Effekts. Das erste Flettner Rotorschiff war die 1924 umgebaute Buckau (1926 umgetauft in Baden-Baden) absolvierte 1926 die erste Transatlantikreise. Bereits am 28.04.1926 wurde das Passagierschiff "Barbara" mit drei Rotoren von je 16,70m Höhe ausgerüstet.

 

 

Die "Buckau" in Wismar!

“Dort liegt ein ganz neumodsches Ding im Hafen“... so der Wismarer Zeitzeuge Hans-Günther Wenzel.

Es war die BUCKAU, die Mitte der zwanziger Jahre alle zwei Stunden mit Gästen auf die Bucht rausfuhr. (es muss <30.03.1926 gewesen sein, ab dann hieß das Schiff Baden-Baden)

"...Ich mache eine Fahrt mit diesem Schiff. An Bord erfährt man dann so allerhand Neuigkeiten über die Handhabung der beiden riesigen Rotoren. Ursprünglich war die BUCKAU ein Topp-Segel­schoner, dem man nun seine drei Masten abgenommen hatte. An und für sich sollte mit dieser neuen Erfindung wohl eine neue Epoche in der Seefahrt einge­leitet werden, doch- soweit ich das beobachten konnte -ging es dem Eigner, einem tüchtigen Stralsunder Geschäftsmann, wohl mehr darum, mit dieser Sensation Lustfahrten für Passagiere in See zu veranstalten. Die Neugierigen "Sehleute" zahlen gern den geforderten Preis für eine Besichtigungsreise, die manche wegen der günstigen Getränkepreise an Bord gleich mehrmals mitmachen. An diesem Tage haben wir Nieselwetter, weshalb die meisten Gäste gleich unter Deck kriechen. Der Lade­raum war zu einer Bar ausgestaltet worden, wo es für jedermann reichlich zu trinken und auch zu essen gibt. Blechern summen die Rotoren, die von einer steifen nördlichen Brise in eine Drehbewegung versetzt werden."(*) 

Hier irrt Herr Wentzel allerdings. Die Rotoren wurden natürlich nicht vom Wind in Drehbewegung versetzt, sondern von je einem 220V-Gleichstrom-Nebenschluss-Elektromotor von 11 kW ! mehr dazu...

(*) aus "Menschen im Küstenwind: Erinnerungen an Wismar in den 20er Jahren", Hans-Günther Wentzel, in Jahres-Zeitschrift Deutsches Schiffahrtsarchiv 5 (1982)

Das Labormodell an der Ingenieur-Akademie

Ein Flettner-Modellboot befand sich auch im Maschinentechnischen Labor des Laboratoriums der Ingenieurakademie.

Das zum Inventar des Laboratoriums in Wismar gehörende Exemplar eines Flettner-Rotormodells findet in den Prozessakten gegen Dr.-Ing. Kurt Heinrich Erwähnung. Das belegt eine schriftliche Aussage vom 24. März 1932 von Dipl.-Ing. Fritz Müller, dem späteren Direktor von 1934 - 1945.